REVIEW

RADIO STEFANSDOM - CD des Tages 03.03.2016: Äußerst amüsant und lebendig, fein musiziert. Eine musikalische Eulenspiegelei, Georg Speer anno 1688.


TOCCATA 1/2016 - Gunar Letzbor zu seiner CD-Einspielung des Musicalisch-Türckischen Eulen-Spiegel (1688) von Georg Daniel Speer.
SWR2 CD-Tipp vom 5.2.2016 - Es handelt sich doch bei diesem „Musicalisch-Türckischen Eulenspiegel“-Musikroman, angereichert mit Tänzen und Instrumentalstücken, um ein historisches Dokument von hohem Rang.
HUFFPOST ARTS & CULTURE - Thoroughly goofy and deeply adorable enterprise. In other words, a great lot of fun.
DIAPASON 645 (04/2016) - Gunar Letzbor accompagne joyeusement cette drôle d'épopée avec cinq cordes et un continuo alliant guitare et théorbe au clavecin ou au positif, tout en faisant assaut de raffinements dans les ballets.
EL ARTE DE LA FUGA - Con astucia y humor, es capaz de sobrevivir a los ataques peligrosos pero también se niega a temblar ante la obscenidad sustancial y la incivilidad.
EARLY MUSIK REVIEW - In creating two concert programmes, Gunar Letzbor has chosen to combine war stories with sonatas for brass, and love stories with sonatas for strings (to appear in 2017).

 

 

TOCCATA Alte Musik aktuell, Nr. 1/2016, S. 26-27.

Gunar Letzbor zu seiner CD-Einspielung des Musicalisch-Türckischen Eulen-Spiegel (1688) von Georg Daniel Speer, die in Februar [2016] beim Label PAN Classics erscheint

Herr Letzbor, in Kürze wird Ihre CD mit Musik von Georg Daniel Speer bei Pan Classics erscheinen, unter dem Titel Ein Kerl namens Lompyn. Was bedeutet dieser Titel, was hat man sich darunter vorzustellen?
Die meisten Menschen kennen ja die Geschichte vom Eulenspiegel. Das ist so ein komischer Kerl, der in der Pest-Zeit seine Scherze treibt, die Realität nicht ganz ernst nimmt und sich dadurch leichter durchs Leben schlägt. So war das bei Georg Daniel Speer wohl auch: er ist selbst in den Krieg gegen die Türken gezogen – das heißt, man weiß nicht genau, ob gegen oder für die Türken, also, wo er eigentlich am Ende gekämpft hat...; aber man weiß, dass er bis Konstantinopel gekommen ist, und zumindest scheint das, was er dort tatsächlich erlebt hat, sich in seinem Werk niedergeschlagen zu haben. Sein Protagonist dabei heißt eben Lompyn, und Speer erzählt allerhand Abenteuer, die dieser Protagonist erlebt. Das ist der eine Teil der Sammlung. Der zweite spielt auch in dieser Zeit, und in dieser Stimmung einer rustikal-brutalen Welt, aber in dem geht es um Liebesbeziehungen.
Bei uns werden das auch zwei verschiedene CDs: Jetzt kommt erst einmal die mit den Kriegsgeschichten heraus, etwa in einem Jahr dann die mit den Liebesgeschichten.
Und wie hat Speer das so rein musikalisch beschrieben? Wie ist das strukturiert, wie viel Text ist drin, wie viel Musik?
Es gibt da einzelne Episoden. Am Anfang wird zum Beispiel erst einmal erzählt, wer dieser Lompyn ist. Das beginnt mit einer Intrada, also einer Art von Ouvertüre, und dann beginnt der Erzähler, ein Tenor, wie eine Art Bänkelsänger zu singen und eben die Geschichte dieses Lompyn zu erzählen. Dabei bedient er sich einer Sprache wie sie damals üblich war: für uns Heutige tauchen da manchmal etwas eigenartige Begriffe auf, aber man versteht es eigentlich relativ gut. Dazu tritt eine einfache Begleitung. Dazwischen kommen dann immer wieder Abschnitte, in denen die Instrumente einstimmen – ein fünfstimmiges Streicherensemble mit Continuo-Gruppe – und entweder zusammen mit dem Sänger eine Art musikalisches Resümee ziehen, oder Tänze aus den verschiedensten Kulturkreisen des Ostens spielen. Die färben das Kolorit nochmal ganz speziell ein, und ich glaube es kommt nicht von ungefähr, dass bei einer Geschichte griechische Tänze auftauchen, bei einer anderen polnische und so weiter. Das hat Speer ganz gut aufgebaut, und so hat auch jede Geschichte eine gewisse eigene Farbe, eine Art Lokalkolorit.
Und der Erzähler, der Tenor: ist das dann eine rezitativische Art des Singens?
Nein, eigentlich nicht. Ich würde, wie gesagt, am ehesten an einen Bänkelsänger denken – es erinnert mich aber auch an erzählerische Passagen bei Schubert, hat etwas Balladenhaftes.
Eine Art recitar cantando?
Ja, es geht in die Richtung. Und natürlich gibt es vielleicht Vorbilder, etwa Viadana, aber es ist denke ich schon etwas sehr Besonderes, etwas sehr Eigenes bei Speer. Ich finde es eigentlich ziemlich genial, denn es ist sehr stark von der Sprache her empfunden und dann kommen immer wieder so kleine Stellen, wo etwas lautmalerisch verdeutlicht wird: Melodiesprünge, Harmoniefolgen, dann wird die Interpunktion sehr genau verfolgt, wo Einschnitte, wo Ausrufe oder Fragen auftauchen. Es ist also ein unterhaltsamer, spektakulärer Vortrag, der etwas Balladenhaftes besitzt.
Und wie kann man sich die instrumentalen Stücke vorstellen?
Für uns war vor allem interessant, diese Tänze kennen zu lernen. Ich beschäftige mich ja schon seit vielen, vielen Jahren mit diesen alten Tänzen, vor allen Dingen auch der verschiedensten Kulturkreise, und bei Speer tauchen wirklich Tänze auf, die man sonst in der Kunstmusik fast nicht findet. Die sind also sozusagen durch die Überlieferung dieses Drucks in die Gegenwart gerettet. Jeder Tanz hat da eine eigene Rhythmik, eine eigene Struktur in sich, seine eigene Farbe. Überhaupt ist diese Musik sehr farbenreich, sehr rhythmisch geprägt. Wir haben diese Sammlung ja schon vor mehr als zehn Jahren die ersten Male in Konzerten gespielt, und damals war es noch eher ein Herantasten, denn es ist gar nicht so leicht, das einigermaßen gut umzusetzen. Wir haben allerdings bei Ars Antiqua Austria einen Violone-Spieler, der Slowake ist, Jan Krigovsky, und selbst auch als Primas, als Geiger ausgebildet wurde. Der hat uns sehr viel gezeigt, für dieses Repertoire, denn er hat in seiner Jugend sehr viel Volksmusik gespielt, denn in seiner Familie – er stammt aus den Karpaten – spielte jeder ein Instrument und man musizierte viel zusammen, spielte gerade diese archaischen Volksgesänge und Instrumentalstücke. Sie haben auch eine ganze Reihe von Instrumenten gespielt, die typisch für genau diese Gegend, aber in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren leider ganz verschwunden sind, da die Kommunisten diese Volkskultur seinerzeit noch unterstützt haben - als der Kommunismus zusammenbrach, sind aber auch diese Instrumente ausgestorben.
Wie sind Sie überhaupt auf diese Musik gekommen?
Das begann eigentlich mit unserem Projekt Klang der Kulturen. Da haben wir ein bisschen herumprobiert und sind erstmals auf Speer gestoßen. In den folgenden Jahren haben wir immer wieder einzelne Teile herausgenommen und aufgeführt, aber richtig spannend wurde das Projekt erst, als wir zum ersten Mal mit einer Tänzerin zusammengearbeitet haben. Da hat sich dann gezeigt, dass man in dieser Musik diverse Dinge einfach nicht machen kann, wenn man sie tanzen will. So begann also für uns nochmal eine neue Phase, als wir sagten: Jetzt müssen wir uns doch langsam mal ein wenig überlegen, wie man das wohl früher gespielt hat; das geht vielleicht doch nicht so, wie andere Kunstmusik aus dieser Zeit.
Sie nehmen also an, dass dazu früher getanzt wurde?
Ja, das glaube ich auf jeden Fall. Das ist Unterhaltungsmusik für eine bürgerliche Gesellschaft, die sich einmal in der Woche irgendwo getroffen hat, dann haben sie musiziert und auch diese Tänze aufgeführt. Ich stelle mir das als eine Art Stehgreifspiel vor, das dann vielleicht mit Vorbereitung irgendwann einmal präsentiert wurde, aber auf jeden Fall der allgemeinen Belustigung diente. Ich meine, es gab ja damals kein Kino und kein Fernsehen, das heißt, die Leute mussten sich ihre Unterhaltung selbst schaffen...! Und ich glaube, diese Musizierform ist eben damals in den Süden Deutschlands gekommen; im Norden gab es das wohl schon etwas früher, wenn auch vielleicht eher in moralisierenden Quodlibet-Kompositionen.
Wie kam dann die Idee bei Ihnen auf, das Ganze auf CD aufzunehmen?
Nun ja, wenn einen eine Musik immer wieder beschäftigt, geradezu gefangen nimmt, dann denkt man sich irgendwann es könne doch einen gewissen Sinn haben, das auch anderen Leuten zu präsentieren. In Konzerten kann man ja immer nur eine beschränkte Anzahl von Menschen erreichen. Es ist auch so, dass wir eigentlich schon viele Jahre an diesem Stück gearbeitet haben, es immer wieder herausgenommen und einen anderen Teil aufgeführt haben, auch mit verschiedensten Musikern. Im Rahmen des Klang der Kulturen-Projektes haben wir dann immer wieder Musiker aus Osteuropa dazu genommen, von denen wir neue Aspekte gelernt haben – und insofern war das alles ein sehr langer Entwicklungsprozess. Vor etwa zwei Jahren kam dann die Idee auf, dass es nun Zeit wäre, das auch einmal auf einer CD festzuhalten und zu präsentieren. Das war ein Stück weit auch vom Bayerischen Rundfunk, vom Studio Franken initiiert, da die gerne einmal etwas mit uns machen wollten, und das passte nun sehr gut mit dem Lompyn, da die Musik dort in der Gegend beheimatet ist. Einen Teil des Stücks konnten wir also damals in einem Konzert im Nationalmuseum in Nürnberg spielen und es dort dann auch gleich aufnehmen.
Im Vorfeld haben wir aber viele Konzerte mit diesen Programmen gemacht, und – das war für mich dann besonders interessant – einige Male auch nicht nur mit einer Tänzerin oder einem Tänzer, sondern einem ganzen Tanzensemble. Und da haben wir festgestellt, dass man die Tempi nochmal ganz anders nehmen muss, damit es möglich ist, darauf zu tanzen. Da dachte ich dann auch wieder an das, was ganz am Ende des Manuskriptes klein in einer Ecke steht: die Tänze sollen in einem langsamen Zeitmaß genommen werden. Das übersieht man sehr leicht… Und wir befinden uns ja heute auch in einer Interpretationsgesellschaft, wo man immer mehr aufs Tempo drückt, auch in der Alten Musik. Es gibt diese Tendenz, alles ins Virtuose, Quirlige, Extreme zu ziehen, so wie das Leben heutzutage vielleicht auch geworden ist. Da passt man sich ein bisschen an. Wenn man solche Tänze dann aber wirklich aufführt stellt man überrascht fest, dass das eigentlich so gar nicht geht, denn es ist zwar sehr lustig, ein bisschen zu schneller zu spielen, aber die Tänzer fliegen dann umeinander. Das war für mich auch eine ziemlich aufschlussreiche Erkenntnis…!
Und auf der CD haben Sie die dann auch ein bisschen langsamer gespielt, die Tänze?
Ja, da haben wir uns zurückgehalten. Gut, es gibt dann auch einen Tanz, bei dem Speer selbst schreibt, man solle bei jeder Wiederholung ein bisschen schneller werden, da wird dann eben Chaos getanzt, aber vom Prinzip her sind diese Tänze doch eher stilisiert. Die Tänzerin, mit der wir gearbeitet haben, Maria Mühlbacher, hat auch versucht, entsprechende Figuren aus der Zeit zu finden. Da ist natürlich aus der Volksmusik nicht so viel überliefert, aber einiges hat sie dann doch aufgetan – und es war für uns Musiker sehr spannend zu sehen, wie die musikalischen Figuren oft eigentlich auf tänzerischen Figuren fußen.
Ist diese Musik sehr leicht zu spielen, oder generiert gerade diese Einfachheit wieder Schwierigkeiten?
Ich würde mal so sagen: ich finde, wenn man diese Musik im Konzert darbietet, bedarf es tatsächlich auch der Tänzer und am besten auch einer gewissen optischen Aufbereitung. Da haben wir uns an den Bänkelsängern orientiert, die immer Bilder mitbrachten. Die haben wir dann in den Konzerten auch gezeigt, teilweise also wirklich riesige Zeichnungen herum getragen, bevor wir später dazu übergegangen sind, das mit dem Overhead-Projektor auf eine Leinwand zu werfen. Und es ist zwar nun kein opernhafter Stoff, aber es bedarf schon ein wenig dieser Szene. Wir haben uns im Ensemble also teilweise auch verkleidet, und ein bisschen mit dem Tenor kommuniziert, das ganze also quasi halbszenisch dargestellt.
Heißt das dann aber nicht, man braucht die CD gar nicht zu kaufen, da das Live-Erlebnis sowieso durch nichts zu ersetzen ist...?
Ich muss gestehen, genau dieser Gedanke kam mir so ein bis zwei Monate vor der Aufnahme: Jetzt machen wir eine CD, und die ganzen Dinge, die bei den Konzerten die Leute so begeistern, fallen dann weg...! Ich war eigentlich schon kurz davor, die ganze Sache wieder abzublasen, aber dann haben wir uns im Ensemble zusammengesetzt und überlegt, was wir machen können, damit das ganze in der rein akustischen Fassung genauso lustig und spannend wird, wie wenn man es auf der Bühne sieht. Wir haben also dann einfach durch das Musikalische mehr suggeriert, etwas andere Tempi genommen und so weiter. Und ich glaube, das war eine sehr gute Entscheidung – denn man kann einfach bei einer CD nicht so tun, als ob es das gleiche wäre, wie ein Konzert. Das ist ein eigener Ort der Kommunikation und da muss man auch mit eigenen Kunstmitteln arbeiten. Eine CD ist ja doch ein Produkt, dass man in zehn Jahren noch hören möchte – und auch etwas, was man permanent wiederholen kann. Wenn ich live Spiele, dann geht es um einen kurzen Moment, in dem ich den Hörer packen muss. Wenn ich eine CD einspiele, dann gehe ich davon aus, dass jemand dem das gefällt die CD noch einige Male anhört. Da kann ich – da muss ich! – ein bisschen mehr in die Tiefe gehen.
Was hieß das konkret für den Lompyn?
Zum Beispiel sind an die gesamte Sammlung noch eine ganze Reihe von Instrumentalstücken angehängt, was ich früher immer etwas eigenartig fand. Da ist erst diese große Sammlung von verschiedensten Geschichten über den Lompyn, die eigentlich sehr gut strukturiert sind: beginnend immer mit einer Ouvertüre, dann gibt es einen Tanz, dann singt der Erzähler einen Teil der Handlung, dann kommt vielleicht ein Resümee, in dem die Streicher mitspielen, dann kommt wieder ein Tanz, dann singt er ein bisschen weiter, dann kommt der Tripler von dem Tanz und zum Schluss dann nochmal ein Instrumentalstück plus Sänger. So sind diese jeweils etwa zehnminütigen Geschichten also immer gegliedert, in dieser Sammlung von etwa 200 Seiten – und ganz hinten in diesem Band sind dann einfach noch 50 Seiten Suiten angehängt. Komischerweise auch manchmal mit ganz anderen Instrumenten, als den fünf Streichern: mit Posaunen, Trompeten, Zinken – eigentlich eine Stadtpfeifer-Besetzung. Und da dachte ich immer: was soll das eigentlich?
Erst als wir dann die CD vorbereitet haben, stellte ich fest: das sind Einlegestücke für die Praxis, die man - je nachdem, welche Instrumente und Musiker gerade zur Verfügung standen - nach Bedarf an einer Stelle an die sie passten einfügen konnte. Und ich glaube das muss auch sein.
Wir haben also für die Kriegsgeschichten eher die Stücke mit Bläserbesetzungen verwendet, für die Liebesgeschichten dann eher die Streicher eingesetzt. Aber zum Beispiel haben wir an den Schluss der Kriegshandlungen auch eine Streichersuite gesetzt, die extrem melancholisch ist, und da dieser Teil gerade mit einer Verteufelung des Kriegs endet, ist das wirklich ein wunderbarer Abschluss.
Haben Sie denn Alles aufgenommen, die ganze Lompyn-Sammlung?
Nein, ich denke, mit den beiden CDs haben wir dann etwa 70 Prozent gemacht. Das lag einmal schlicht an der maximalen Länge einer CD, aber auch daran, dass manche Geschichten in heutiger Zeit einfach nicht mehr verständlich sind. Die meisten sind wirklich gut erfassbar und man versteht die Pointe sofort, aber bei einigen ist die Pointe sehr zeitgebunden – und die haben wir weggelassen.
Erzählen Sie doch mal aus einer der Episoden, die Sie aufgenommen haben!
Ja, was mir besonders gut gefällt, ist so eine Geschichte, in der er alle möglichen Stände und Nationen beschreibt: wie die im Krieg agieren und was da passiert. Da wird dann auch von den Italienern berichtet und von denen sagt der Erzähler, sie seien für die Kriegsführung nicht geeignet, die seien nur für die Kunst da – da sie sofort davonliefen! Das gefällt mir sehr, dieser Abschnitt…
Gibt es irgendeinen Aspekt, bei dem Sie sagen: deswegen muss man den Lompyn unbedingt hören?
Ich glaube, es ist wirklich das Ganze. Man taucht da in eine Welt ein, die man überhaupt nicht kennt. Man weiß, es hat einmal die Türken-Belagerung gegeben, die Türken-Gefahr, aber in all diesen kleinen Geschichten um den Lompyn, in dieser Sprache, dringt man so tief in diese Welt ein, dass man sich das wirklich plastisch vorstellen kann. Denn Speer nimmt auch kein Blatt vor den Mund: er schildert die Dinge wirklich sehr drastisch und ungeschönt, aber gleichzeitig auch urkomisch. Und es ist natürlich auch nicht das Leben bei Hofe oder in der Kirche, das hier geschildert wird, sondern das pralle Leben des normalen Menschen der damaligen Zeit, oder gar des Soldaten, des Kriegsknechts. Und da gibt es nicht viele andere Möglichkeiten, das irgendwo so hautnah zu erfahren – das hat etwas von einem Dokumentarfilm.
Dazu kommt die Urigkeit der Musik, die ich wirklich toll finde. Natürlich, man darf sich keine Fugen erwarten, die kommen da nicht vor; das ist eine andere Musiksprache. Aber darum denke ich auch immer wieder an Schubert: wenn man den analysiert, da findet sich oft auch nicht so viel Kunstfertigkeit – aber es ist die großartigste Musik, die man sich vorstellen kann! Man hört also gerade auch bei den reinen Instrumentalstücken im Lompyn, dass Speer ein toller Komponist war.
Es gibt übrigens von ihm auch so eine Art Kompositionsschule, in der er erklärt, wie man Continuo spielt, die Instrumente beschreibt und Ähnliches mehr. Er war also durchaus ein gelehrter Mann, kein hergelaufener Vagabund, der irgendetwas aufschrieb! Das zeigt sich auch in der Pracht des Druckes: der Originaldruck ist in Wolfenbüttel erhalten, und ein wunderschönes Druckwerk, wirklich aufwändig gemacht. Daraus kann man ersehen, dass er in der damaligen Zeit ein bedeutender Mann gewesen sein muss.

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http://www.swr.de/swr2/musik/cd-tipps/musik-kultur-speer-krieg…zbor/-/id=12628344/did=16869018/nid=12628344/iked0a/index.html

SWR2 Treffpunkt Klassik

Gunar Letzbor dirigiert Georg Daniel Speer
Historisches Dokument von hohem Rang
CD-Tipp vom 5.2.2016

Noch nie gehört von Georg Daniel Speer? Georg Daniel Speer, ein Barockdichter und Barockkomponist, stammte aus Breslau, geboren am 2. Juli 1636, gestorben in Göppingen im Oktober 1707, wurde er 71 Jahre, ein für damalige Zeiten biblisches Alter. Das erste Drittel seines Lebens jedoch verbrachte Speer als gemeiner Soldat. Er kämpfte als Söldner in diversen Kriegen, die in diesem finsteren Jahrhundert Europa verwüsteten, verbürgt ist unter anderem seine Teilnahme am zweiten großen Türkenkrieg als Leibtrompeter oder Heerestrommler bei verschiedenen, auch gegnerischen Kriegsparteien. Aber auch als ein Bänkelsänger, Dichter und Komponist war Georg Daniel Speer unterwegs. Mit 29 Jahren gab er das Kriegshandwerk auf, er ließ sich nieder im friedlichen Schwabenland, wo er als Organist und Lehrer wirkte, musikpädagogische Schriften und Musik für sein Lieblingsinstrument, die Posaune, verfasste, und schließlich, 47-jährig, sein opus summum herausbrachte: einen autobiographischen Roman in Versen, den er den „Ungarischen oder Dacianischen Simplicissimus“ nannte, in Anlehnung an den berühmten Bericht aus dem Dreißigjährigen Krieg von Grimmelshausen. Kurz darauf kam Speer auf die Idee, Teile seines Romans zu vertonen. Diese Komposition trägt den Titel: „Musicalisch-Türckischer Eulenspiegel, Das ist: Seltsame Possen von einem sehr gescheiden Tuerckisch-Kayserlichen Hof- und Feldnarren, / welcher nachgehends gar Muffti worden; Auß dem Welt-bekandten Ungarischen Kriegs-Roman extrahiret und mit Ungarisch-Griechisch-Moscowitisch-Wallachisch-Kosakisch-Rusnakisch- und Pohlnisch-lustigen Balleten … illustriert.“

Das ist jetzt nicht etwa der komplette Titel des Werks! Nur ein kleiner Auszug. Und – es ist dies alles andere als ein Antikriegsroman! Man darf sich auch nicht vorstellen, dass es sich um eine frei erfundene, fiktionäre Münchhausen-Story handelt. Vielmehr nimmt Speer die Erlebnisse des Soldaten Lompeyn, der, als eine Art Kriegs-Eulenspiegel, dem Tod immer wieder von der Schippe springt, unglaubliche Abenteuer erlebt und vor allem die Kunst trainiert, die eigene Haut zu retten, aus eigener Anschauung. Zum Beispiel erklärt er in einem Quodlibet, welche Leute sich gut als Soldaten eignen, und welche nicht.

Wie gesagt: Kein Antikriegsroman. Speer, mitten hineingeboren in den Dreißigjährigen Krieg, gestorben, als der spanische Erbfolgekrieg in vollem Gange war, hatte zeitlebens nur wenige Friedensjahre erfahren. Sein Musik-Roman macht, auf sarkastische Art, sogar Reklame für den Krieg. Da finde ich es doch eher beruhigend, dass er die „Kaminfeger und Brillenumträger“, die Intellektuellen, grundsätzlich für nicht wehrtauglich hält. Und was die Worte nicht sagen, das sagt dann die Musik: Dass der Tod und das Schlachten und die Zerstörung kein reiner Spaß ist. Das robuste Lied-Program der Speerschen „Kriegsgeschichten“ wird beendet mit einem Lamento. Ein zweites Album mit Musik von Georg Daniel Speer, mit dem Titel „Liebesgeschichten“ soll im nächsten Jahr folgen.

Zusammenfassend kann man sagen: Als Komponist ist Speer guter Durchschnitt. Die Musikgeschichte wird bestimmt nicht umgeschrieben werden müssen dank dieser Trouvaille. Aber es handelt sich doch bei diesem „Musicalisch-Türckischen Eulenspiegel“-Musikroman, angereichert mit Tänzen und Instrumentalstücken, um ein historisches Dokument von hohem Rang.

CD-Tipp vom 5.2.2016 aus der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik – Neue CDs“
Eleonore Büning


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http://www.huffingtonpost.com/laurence-vittes/old-new-music-recordings-_b_9519678.html

HUFFPOST ARTS & CULTURE

New Old Music Recordings

Georg Daniel Speer (1637-1707): Kriegsgeschichten.
Markus Miesenberger, tenor.
Ars Antiqua Austria/Gunar Letzbor (Pan Classics CD)

This thoroughly goofy and deeply adorable enterprise is the brain child of an early music group called Ars Antiqua Austria, who performed a section of a picaresque musical concoction by a remote German composer named Georg Daniel Speer whose left home at 18, sets off through the Carpathian Mountains to present-day Slovakia, worked as a mercenary for various armies including bugling for the Hungarians in their war against the Turks, and reached Constantinople in the company of a high-born lord. In Speer’s Musicalisch-Türckischer Eulen-Spiegel, the musical adventurer set texts from his own novel in which his hero Lompyn hear music during his travels Speer himself might have heard, or more likely imagined, in some of the countries then affected by the Turkish invasion; this meant a delightful series of dances and songs in the styles of the Cossacks, Poles, Hungarians and Wallachians (the same Wallachians from Mozart’s Così fan tutte). At the end, of course, the hero ponders the absurdity of war. In other words, a great lot of fun.

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Texte paru dans: / Appeared in: DIAPASON 645 (04/2016)

Analyste: Jean-Luc Macia

Un Eulenspiegel, un espiègle donc, comme Till. Celui-là s'appelle Lompyn, héros d'un conte picaresque sans doute rédigé et sûrement mis en mu sique en 1688 par Georg Daniel Speer - né à Breslau en Silésie, il fit l'essen tiel de sa carrière dans la ville souabe de Göppingen. Paysan hongrois van tard, batailleur, peu soucieux de mo ralité, Lompyn effectue un voyage forcément XVIIe siècle, et va jusqu'à la cour du Sultan. La musique de Speer est construite sur un long lied strophique pour ténor, aux mélodies simples et populaires, précédé d'une lntrada et entrecoupé de courts ballets évo quant les contrées traversées par notre espiègle héros.

Un petit orchestre à cordes et une basse continue entourent le chanteur, qui est invité à surjouer et à se libérer du carcan des mesures. Markus Miesenberger y excelle, et semble s'amuser comme un fou à prêter des accents extravagants et une expression sans cesse variée à son Lompyn. La voix est bien posée, la partition n'exige pas une tessiture étendue mais plutôt un talent narratif et de l'humour afin de colorer cette longue suite de couplets. Redécouvreur de cette oeuvre en 2001, Gunar Letzbor accompagne joyeusement cette drôle d'épopée avec cinq cordes et un continuo alliant guitare et théorbe au clavecin ou au positif, tout en faisant assaut de raffinements dans les ballets. Pour agrémenter le tout, il introduit au fil du disque quelques sonates instrumentales composées par Speer à la même époque, certaines pour violons et basse, d'autres pour deux trompettes et trois trombones (bizarrement, le nom des cinq souffleurs n'est pas, mentionné dans la notice). Il faut vraiment regretter que le texte chanté en vieiI allemand ne soit pas traduit dans le livret. Le mélomane moyen et même le critique y perdent l'essentiel du propos.

Letzbor s’est ici concentré sur les batailles auxquelles participe Lompyn; un second disque nous livrera l’an prochain les aventures amoureuses du héros, dont on devine qu’elles ne seront pas tristes.

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http://laquintademahler.com/shop/detalle.aspx?id=365046

EL ARTE DE LA FUGA

En el año 1688, cuando a los 52 años de edad, Georg Daniel Speer, hijo de una reputada familia de Breslau, publicó su Musicalisch-Türckischer Eulen-Spiegel en Ulm, era organista y profesor asistente en el sur de Alemania y ya tenía una vida llena de acontecimientos tras él. A la edad de 18 años, se pone en marcha a través de las montañas de los Cárpatos hasta Spisz (ubicado en el noreste de la actual Eslovaquia)y a lo largo de los siguientes años, trabaja como mercenario para diversos ejércitos, primero como baterista, luego como un clarín en la guerra de Hungría contra los turcos. Por último, llega a Constantinopla en la compañía de un "señor de alta cuna».

En su Musicalisch-Türckischer Eulen-Spiegel, Speer integra los textos de su novela picaresca Ungarischer oder Dacianischer Simplicissimus en la música y deja que su héroe Lompyn viaje musicalmente a través de todos los países afectados por la invasión turca. Para este efecto, el compositor crea danzas y melodías al estilo de cada uno de estos pueblos casi exóticos. De la gran cantidad de historias, Gunar Letzbor, el líder de Ars Antiqua Austria, preparó dos CD : el presente CD con Historias de la guerra de nuestro héroe Lompyn y otro con Aventuras amorosas, que aparecerán en un segundo CD durante 2017. En las Historias de la guerra mencionados, experimentamos el mal momento de las guerras turcas desde el punto de vista de un hombre sencillo que está tratando de sobrevivir a la más peligrosa de las situaciones, a ser posible sin ningún tipo de arañazos notables. Con astucia y humor, es capaz de sobrevivir a los ataques peligrosos pero también se niega a temblar ante la obscenidad sustancial y la incivilidad.
Al final, el héroe reflexiona sobre lo absurdo de la guerra.

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http://earlymusicreview.com/daniel-speer-kriegsgeschichten/

DANIEL SPEER: KRIEGSGESCHICHTEN
Markus Miesenberger, Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor
51:26
Pan Classics PC 10317

This is the first of two planned discs to explore Speer’s 1688 “Musicalisch-Türkischer Eulen-Spiegel”, a musical settings of stories from a semi-autobiographical novel. In creating two concert programmes, Gunar Letzbor has chosen to combine war stories with sonatas for brass, and love stories with sonatas for strings (to appear in 2017). So there are various elements to the programme: Lompyn (the hero of the tale) sings songs, sandwiched between two “ballets” (as in dance movements, not the art form) of different national styles (cossacks, Poles, Muscovites, Greeks, Hungarians, Wallachians); between each set we have the brass sonatas (essentially rather simple, given the limited tonal capabilities of the instruments – 2 trumpets and 3 trombones, here with continuo), the sequence rounded off with three movements for strings. The cartoon illustrations in the booklet suggest that the project was aimed at a younger audience, and the singer’s approach to the texts would tend to support this impression, since at times he is virtually talking the words; if you are not a German speaker, it will be irrelevant anyway, since the booklet has no translation of the texts. If the CD was produced purely to be sold at performances (and why should it not? musicians need to make a living from their hard work), I wonder that the record company felt it should do on international release, especially with only minimal attention to what foreign audiences might make of such a peculiarity.
Brian Clark


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