REVIEW


BR-KLASSIK 26.03.2017 - Es ist eine CD der Kontraste. Denn nach dieser übersprudelnden, temporeichen, protzigen Messe folgen drei klein besetzte, innige Werke von Biber...
DIAPASON mai 2017 - Fort de quatre trompettes, trois trombones, deux cornets et autant de clarini, auxquels s'ajoutent encore les timbales, son orchestre sonne avec majesté, avance avec ardeur, sans oublier de respirer...
MUSIK AN SICH - Die ergänzend eingespielten Stücke halten zudem Erstaunliches bereit: So ist die Pastorella bei weitem keine harmlose Hirtenmusik und das erst kürzlich wiederentdeckte Hic et panis ein höchst innig aufeinander abgestimmter Dialog zwischen der Solo-Violine und dem Bass-Sänger...

 

 

BR-KLASSIK CONCERT

CD - HEINRICH IGNAZ FRANZ BIBER
MISSA ALLELUJA, NISI DOMINUS

26.03.2017 von Thorsten Preuß

Groß, gewaltig, prächtig ist Bibers "Missa Alleluja" - ein Werk für sage und schreibe 36 Stimmen: Sänger und Streicher, Zinken, Posaunen und Trompeten. Aber all diese Zutaten verklumpen bei Gunar Letzbor und seinem Ensemble Ars Antiqua Austria nicht zu einem Klangbrei, sondern bleiben kernig, knackig und transparent.
Musik wie Blitz und Donner. "Achtung!" rufen die Pauken. "Ehrfurcht bitte!" schmettern die Trompeten. Gleich mit den ersten Takten seiner Messe stellt Heinrich Ignaz Franz Biber klar: Das hier ist keine fromme Erbauungsmusik für die Dorfkirche. Das ist Repräsentationsmusik für den Salzburger Fürstbischof. Und der kommt gleich nach Gott selbst.

EIN WERK FÜR 36 STIMMEN

Groß, gewaltig, prächtig ist Bibers "Missa Alleluja" - ein Werk für sage und schreibe 36 Stimmen: Sänger und Streicher, Zinken, Posaunen und Trompeten. Aber all diese Zutaten verklumpen bei Gunar Letzbor und seinem Ensemble Ars Antiqua Austria nicht zu einem Klangbrei, sondern bleiben kernig, knackig und transparent. Mit Feuer und urmusikantischer Freude bringt Letzbor die Partitur zum Sprechen. Die Dreifaltigkeit tanzt im Dreiertakt, im "Crucifixus" hört man regelrecht die Nägel, mit denen Christus ans Kreuz geschlagen wird. Und wie schön, dass Gunar Letzbor nicht auf Frauenstimmen, sondern historisch korrekt auf die fantastischen Solisten der St. Florianer Sängerknaben setzt. Da wähnt man sich bei der Himmelfahrt den Engeln schon ganz nah.

STÄRKEN DER ÖSTERREICHISCHEN BAROCKGEIGE

Es ist eine CD der Kontraste. Denn nach dieser übersprudelnden, temporeichen, protzigen Messe folgen drei klein besetzte, innige Werke von Biber. Darunter eine erst kürzlich wiederentdeckte Solo-Motette und eine weit ausschwingende Psalmvertonung mit dem ausdrucksstarken Bassisten Gerhard Kenda. Für diese Stücke steigt Gunar Letzbor vom Dirigentenpult und nimmt seine Geige in die Hand. Lieblich wie eine Almwiese und süß wie Salzburger Nockerln - Gunar Letzbor spielt die typischen Stärken der österreichischen Barockgeige aus. Aber nicht lange klingt es warm und weich. Denn unter Letzbors Händen entpuppt sich Bibers Kammermusik als instrumentales Theater, als bunte Szenenfolge, in der Pfeile durch die Luft schwirren, Tränen vergossen werden oder ein Prediger Ausrufezeichen setzt.
Gerade die berühmte Weihnachts-Pastorella von Biber habe ich noch nie so farbenreich und plastisch gehört wie auf dieser CD mit Ars Antiqua Austria. Auf überzeugende Weise hält Gunar Letzbor die Fahne der historischen Aufführungspraxis hoch. Man muss gar nicht Popmusik auf der Gambe spielen oder Barockmusik mit Flamenco paaren, um zu fesseln. Es genügt, gute Partituren schlicht gut zu interpretieren. So einfach ist das, und so schwer. Aber dann klingt Alte Musik auch heute noch wie neu.

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Diapason // Mai 2017

Heinrich Ignaz Franz von Biber

Biber n'était pas moins maître de la spiritualité intime, tout en symboles, des quinze Sonates du rosaire que de messes aux effectifs pléthoriques, liées à son activité de Kapellmeister dans la somptueuse cour archiépiscopale de Salzbourg: la Missa Salisburgensis (gravure impressionnante réunissant Goebel et McCreesh , chez Archiv), la Missa Bruxellensis (Savall), et cette Missa Alleluja, oeuvre de maturité composée dans les années 1690, et déjà enregistrée par Konrad Junqhänel (DHM, 1995).

Gunar Letzbor ne dispose pas tout à fait des trente-six parties vocales et instrumentales que requiert la partition: luimanquent huitvoixde ripieno, dont s'acquittent les solistes. Son approche n'offre pas non plus les sonorités galbées, l'allant aérien ou le fini suprême des prédécesseurs. Mais quelle fraîcheur, quelle jouissance à l'écoute 1Lestimbres des garçons de Saint-Florian, parfaitement à leur place dans les parties de soprano, y sont pour beaucoup. Vis-à-vis d’eux comme des autres chanteurs - tous masculins- le chef semble encourager plus que demander, tout en veillant à la maîtrise des équilibres, comme d’un mouvement constamment habité.

Fort de quatre trompettes, trois trombones, deux cornets et autant de clarini, auxquels s'ajoutent encore les timbales, son orchestre sonne avec majesté, avance avec ardeur, sans oublier de respirer.

La transcendance elle-même s'impose: écoutez l'épanouissement du «miserere» (Agnus Dei). Dans ce s conditions, même la simplicité des voix émeut - douceur du Benedictus. En comparaison, le Nisi Dominus, motet pour violon et basse, est moins généreux dans son espièglerie, moins intense dans son chant; recherchez plutôt Monica Huggett et Thomas Guthrie (ASV Gaudeamus). Si le Hic est panis souffre des mêmes limites expressives (dues au même chanteur), on se réjouit de découvrir l'oeuvre, enregistrée pour la première fois. Biberophiles, n'hésitez pas!
Luca Dupont-Spirio

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OHRENLUST

Bibers Ruf als Beherrscher der barocken Klangpracht rührt ganz wesentlich von seiner Missa Salisburgensis her. Sie ist jedoch kein Solitär. Ein vergleichbar opulent besetztes Werk ist die 36stimmige Missa Alleluja, die vermutlich um 1695 entstand. Hier sorgen u.a. drei Posaunen, vier Trompeten, zwei Clarinen, Pauke sowie ein sechsstimmig geführtes Streicherensemble für großformatigen Farbenreichtum. Hinzu kommt die besondere Virtuosität der beiden Violinstimmen.

Schon 1993 hat sich Konrad Junghänel bei dhm der schwierigen Aufgabe gestellt, dieses Juwel auf CD zu bannen. Doch so richtig überzeugend gelingt dies nun erst Gunar Letzbor. Das ist nicht nur einer sehr geschickten Verteilung der Stimmen im Kirchenraum zu verdanken, sondern auch der Meisterleistung des Toningenieurs Martin Klebahn, der den Klang zwar mit kirchenraumtypischen und notwendigem Hall, dennoch aber so transparent und perfekt gestaffelt eigefangen hat, dass wirklich jede Stimme hörbar präsent bleibt.

Zudem tut Letzbors „ba-rockiger“ Ansatz und seine bekannte Mischung aus virtuosen und musikantischen Einsprengseln Bibers Musik einfach gut. Sie erstarrt dadurch nicht in komplexer Erhabenheit, sondern gerät und setzt in Bewegung, verblüfft und erstaunt immer wieder mit exzentrischen Einfällen, swingt und reißt mit, dass es nur so eine Ohrenlust ist. Die St. Florianer Sängerknaben intonieren kraftvoll und dennoch intonationssicher, das Ensemble Ars Antiqua Austria lässt es instrumental im Besten Sinne krachen.

Die ergänzend eingespielten Stücke halten zudem Erstaunliches bereit: So ist die Pastorella bei weitem keine harmlose Hirtenmusik und das erst kürzlich wiederentdeckte Hic et panis ein höchst innig aufeinander abgestimmter Dialog zwischen der Solo-Violine und dem Bass-Sänger.

Sven Kerkhoff

Bewertung: 19 bis 20 Überflieger

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